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Pakistan, du siehst uns wieder!

Autorenbild: Vanessa & René Vanessa & René

Von Indien wieder zurück nach Pakistan

Anfang Oktober überqueren wir die Wagha-Grenze von Indien nach Pakistan. Das ist unser zweites Mal in Pakistan und wir haben diesmal viel vor, denn bei unserem letzten Aufenthalt hatten wir wegen der Wartezeit für das Indienvisa keine Zeit, viel von Pakistan zu erkunden. In der Nähe von Lahore holen wir unsere Fahrräder, die wir bei einem Freund vor dem Grenzübertritt nach Indien untergestellt haben. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, die Fahrräder in Indien und Nepal nicht dabei zu haben. Schon kurz nach der Grenze hört das Hupen wie von Zauberhand plötzlich auf. Es ist schon krass, dass der Verkehr hier auch flüssig funktioniert, obwohl niemand hupt. Pakistan empfängt uns gleich mit geballter Gastfreundschaft. Wir machen einen Halt, um einen Chai zum Frühstück zu trinken, als wir von einem vorbeifahrenden Autofahrer entdeckt werden und er uns zwingt, Brot, Eier, Snacks und Chai auf seine Kosten zu frühstücken. Natürlich werden wir nicht aus der kleinen Imbissbude entlassen, ohne die verbleibende Tüte Toastbrot und ein Kilo Äpfel mitzunehmen. Selbst zu zahlen ist unmöglich, sogar als wir uns bedanken, meint unser neuer Freund, dass wir uns nicht bedanken brauchen, denn das ist doch völlig normal, dass man Gäste so behandelt. Wir schießen noch ein Foto gemeinsam und starten in die erste Woche in Pakistan.


Wiedersehen mit Reisefreunden

Von Lahore fahren wir zügig nach Islamabad, besorgen uns dort ganz unkompliziert Simkarten und holen uns in unserer französischen Stammbäckerei einen Kaffee und einen Laib Brot. Am Nachmittag parken wir wieder auf unserem alt bekannten Parkplatz in einem Park, auf dem wir beim letzten Mal so lange auf das Indien-Visa gewartet haben. Unser Freund Dominik, den wir letztes Jahr irgendwo auf der Eskorte in Baluchistan aufgegabelt haben, ist zufällig auch gerade in Islamabad. Er zeltet auch auf dem Parkplatz und die Freude über das Wiedersehen ist groß. Letztes Jahr haben wir alle zusammen wie in einer kleinen Nachbarschaft auf dem Parkplatz neben dem Park zusammengewohnt. Es fühlt sich ein bisschen an wie Heimkommen. Vor nicht ganz 10 Monaten trennten sich hier unsere Wege und wir haben uns viel zu erzählen. Zusammen genießen wir das Murree-Bier aus der Brauerei aus Rawalpindi und reden nächtelang über unsere Reisegeschichten. Dominik hat den ganzen Weg bis Indonesien Auto gestoppt, um über China wieder nach Pakistan zurückzukommen, wo er voriges Mal ein Projekt in einem Slum gestartet hat. Mehrere operative Eingriffe wurden mit den Spendengeldern schon durchgeführt, alle Trinkwasserbrunnen zum Laufen gebracht und sogar ein Rollstuhl und neue Kleidung gekauft. Vom übrigen Geld will er den Grundstein für eine Schule legen, solange er noch hier ist. Wow, was man alles erreichen kann! Wir freuen uns so mit Dominik und den afghanischen Kindern im Slum!


Ab geht's in den Norden von Pakistan

Nachdem sich Dominik auf den Weg nach Afghanistan gemacht hat, gabeln wir unseren Kletterfreund Fahad auf und fahren Richtung Norden. Leider nehmen wir die falsche Auffahrt auf die Autobahn und können eine Eskorte „zu unserem Schutz“ nicht abwimmeln. Daher es nicht so viele Fahrzeuge gibt, fährt ein bewaffneter Polizist bei uns im Auto mit. Die Männer sind alle super freundlich und interessiert, viele können sogar ein bisschen Englisch. Ansonsten übersetzt unser Freund Fahad für uns. Wir fahren die vielen Höhenmeter gemütlich, sind das langsamste Auto auf der Straße. Dreimal am Tag bleiben wir stehen, um zu essen und Tee zu trinken. Irgendwann können wir die Beamten bei einem der vielen Checkposts überzeugen, dass wir keine Eskorte brauchen und werden entlassen.


Andere Länder, andere Schönheitsstandards

In Pakistan sind Kommentare über die Figur anderer total üblich und gar nicht als Beleidigung gemeint. An einem Checkpost mustert ein gut genährter Polizeichef uns drei ganz genau, bevor er besorgt mit unserem Freund Fahad spricht. Er meint, wir drei seien alle zu dünn. Wir sollen mehr Hühnchen essen und generell mehr Essensstopps einlegen. Er war schon kurz davor, uns Geld aus seiner Geldtasche zu geben, als wir ihn noch davon überzeugen können, dass wir gleich bei einem Restaurant halten werden. Das macht ihn wieder glücklich und er verabschiedet uns mit einem „Inschallah!“, was so viel bedeutet wie „so Gott will“ und generell auf alles geantwortet werden kann.

Canon Foto Pakistan
Blick auf den Rakaposhi

Angekommen im Hunza Tal

Wir fahren viele Serpentinen hinauf zum Babusar-Pass. Dieser Pass ist 4100m hoch und am Top befindet sich eine Art Freizeitpark mit Zipline und Karussell. Hier wuselt es uns zu sehr und wir machen uns am Weg auf der anderen Seite nach unten. In der Nacht schlafen wir im Tal bei einem Restaurant. Die Besitzer sind begeistert und laden uns zum Tee ein. Das Dorf ist bekannt dafür, Jagdtouren auf das geschützte Markhor, eine riesige Bergziege, anzubieten. Das Markhor ist das Wappentier von dem Bundesstaat Gilgit-Baltistan, in dem wir uns befinden. Es ist nur hier heimisch, hat bis zu 1,5m lange spitze eingedrehte Hörner und sieht aus wie ein überdimensionaler Steinbock. Bis zu 35000€ blättern ausländische Jagdfans gerne hin, um die Möglichkeit auf diese Jagd-Trophäe zu haben.

Wir fahren langsam und lassen die schöne Landschaft und die netten Menschen auf uns wirken. Die Menschen sind hier im Norden noch offener und gastfreundlicher als im Rest von Pakistan. Die meisten können gutes Englisch sprechen. Nach einigen Tagen kommen wir im Hunza-Tal an. Wir treffen unseren anderen Kletterfreund Mueez, welcher hier wohnt. Er boltet in seinem Heimattal fleißig Routen und wir verbringen schöne Klettertage gemeinsam. Wir lassen unseren Bus beim Fluss unten im Tal stehen und stoppen Auto, überallhin wo wir wollen. Die Straßen sind hier eng und steil, das wollen wir unserem Bus nicht so gerne antun. Autostoppen ist hier sehr leicht und enorm sicher. Wir haben auch keinerlei Bedenken dabei, unseren Van mit den Rädern drauf irgendwo stehen zu lassen.

Der Norden von Pakistan ist der sicherste Teil des Landes. Nirgendwo sonst ist die Kriminalitätsrate so niedrig wie hier. Das hat einerseits damit zu tun, dass der Tourismus genug Geld bringt, dass die Einheimischen gut davon leben können. Andererseits hat es auch kulturelle Gründe. Die Menschen hier gehören der muslimischen Glaubensrichtung der Ismaeliten an. Die Ismaeliten zeichnen sich dadurch aus, dass die Menschen sehr gebildet sind, gutes Englisch sprechen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau zum Ziel haben. Außerdem sind wir Gäste und Gäste sind in den meisten muslimischen Glaubensrichtungen Gott in menschlicher Gestalt. Noch nirgendwo sonst auf unserer Reise haben wir uns so sicher und willkommen gefühlt.


Neue Freunde aus der alten Heimat

Eines Abends, als wir uns von einem netten Bauern auf der Ladefläche seines Pickups zu unserem Bus bringen lassen, steht da tatsächlich ein Schweizer Land Rover daneben. Wir laden das Pärchen sofort zum Essen ein und haben lustige Gespräche. Als es schon dunkel ist, hören wir weitere Autos und wir staunen nicht schlecht, als da zwei weitere Campingmobile mit österreichischen Kennzeichen vor uns stehen. Noch nie auf unserer Reise haben wir andere Österreicher getroffen, und jetzt hier im Norden von Pakistan gleich zwei Pärchen auf einmal! Sofort wird mit Hilfe der lokalen Jugend, die hier zum Rauchen herkommt, ein Lagerfeuer entzündet und Geschichten ausgetauscht. Ein weiterer lustiger Zufall ergibt sich, denn drei von uns 8 haben am gleichen Tag Geburtstag, nämlich dem 30.10., welcher schon in wenigen Wochen ist. Eine weitere hat einen Tag danach Geburtstag. Was für ein Zufall ist das, dass wir zuerst Österreicher treffen, die Luftlinie nur wenige Kilometer von uns entfernt wohnen und dann 50% von uns am gleichen Tag Geburtstag feiern! Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege schon wieder, da sie von China kommend nach unten und schließlich nach Indien unterwegs sind und wir weiter nach Norden fahren wollen.

Österreicher im Hunza Tal
Zufälliges Treffen im Hunza Tal

Campen vor den Passu Cones

Unser nächster Stopp ist Passu, wo wir mit einem weiteren Freund verabredet sind. Peter aus Australien ist vor ein paar Wochen aus Nepal und Indien hier angekommen. Wir haben ihn und seine (Ex-)Frau in Nepal kennengelernt und zusammen ein Monat in der Nähe von Pokhara verbracht. Auch hier ist das Wiedersehen groß, wir haben uns schon sehr auf seinen ultra-modernen Kugelgrill gefreut. Er reist und wohnt in einem zu einer Wohnung ausgebauten Reisebus und hat darin alle Luxus-Annehmlichkeiten, die wir uns nur vorstellen können.

Passu ist ein liebes Dorf. Schnell haben wir alle Einheimischen kennengelernt, worunter sich auch einige Kletterer befinden. Hier sind wir viel auf unseren Rädern unterwegs. Es ist Anfang Oktober und langsam beginnt der Herbst im Norden. Das führt zu einer unglaublich schönen Herbstkulisse, denn die Bäume färben sich langsam gelb und rot. Das Wetter könnte besser nicht sein und wir genießen unseren ruhigen Stellplatz neben dem Indus-Fluss.

Die Kletterwände sind auch hier nicht weit entfernt. Eines Nachmittags bleibt ein Auto neben uns stehen und die drei Männer beobachten uns neugierig beim Klettern. Sie warten, bis wir die Route fertiggeklettert sind und fragen dann höflich, ob sie ein Foto mit uns machen dürfen. Natürlich stehen wir gerne für Fotos bereit. Sie wollen uns zum Tee einladen, verstehen aber, dass wir gerade hier nicht wegkönnen. Dann zückt der Fahrer seine Geldtasche und will uns Geld geben, damit wir uns einen Tee kaufen können. Mit großer Überzeugungsarbeit versuchen wir zu erklären, dass wir ihr Geld nicht annehmen wollen und uns selbst einen Tee kaufen und an sie denken. Leider ist das in Pakistan aber undenkbar, ein Geschenk nicht anzunehmen und unsere drei Fans werden fast unfreundlich, weil wir ihre Freundlichkeit nicht annehmen wollen. Schließlich nehmen wir das Geld mit schlechtem Bauchgefühl an und machen damit alle glücklich. Wir nehmen uns vor, es der nächstbesten Person zu geben, die es braucht. Hier in Pakistan ist das aber gar nicht so leicht. Wir dürfen nie für Essen oder Tee bezahlen, wenn wir mit unseren Kletterfreund*innen wo hin gehen. Bettler*innen gibt es hier so gut wie keine, weil eine starke Gemeinschaft, die in der Religion verankert ist, für alle sorgt. Gäste muss man eben einladen. Hier lernen wir so viel übers Geben und Nehmen und was echte Gastfreundschaft wirklich bedeutet.

Gemeinsam unternehmen wir verschiedenste schöne ein- und mehrtägige Wanderungen zu Gletschern, Seen und schönen Bergrücken. Wir lassen den Bus mehrere Wochen am selben Platz stehen, nutzen Mitfahrgelegenheiten und lernen so die hier lebenden Menschen noch besser kennen. Als es für Peter Zeit wird, wieder nach Islamabad zu fahren, verschieben wir unseren Stellplatz nach Aliabad direkt neben die Kletterwand.


Klettern und Yoga im pakistanischen Herbst

Dort klettern wir mit unseren Kletterfreunden, machen Yoga und leben uns in die ansässige Gemeinschaft ein. Oft bleiben Kinder am Heimweg nach der Schule bei uns stehen und staunen, was wir so machen. Die meisten sind sehr mutig und super sportlich, also lassen wir die Kids einige Routen klettern oder unsere Fahrräder ausprobieren. Die Freude in den Gesichtern der Kinder zu sehen macht fast noch mehr Spaß, als selbst zu klettern. Eines nicht ganz so fernen Tages werden wir hierher zurückkommen und die nächste Generation an Kletterern und Bergsportlern fördern.

Vanessa ist am Nachmittag bei der Nachbarin zum Tee eingeladen. Die Frau hat Fitti gemacht, ein dickes, deftiges traditionelles Brot, und frische Äpfel aufgeschnitten. Sie ist so alt wie René und hat zwei Kinder im Alter von 5 und 3. Sport ist nicht ihr Lieblingshobby, doch sie ist sehr am Yoga interessiert, das Vanessa und die Jungs jeden Tag in ihrem Apfelgarten machen. Ihr Mann macht Witze darüber, dass seine Frau sehr fett ist. Er meint, Vanessa sei so dünn, sie könnte doch mal mit seiner Frau ein bisschen Yoga machen. Wir drei lachen. Die Frau scheint von dieser Beleidigung gar nicht gekränkt zu sein, eher lacht sie darüber und meint: „Ja, ich bin wirklich sehr fett!“ Was bei uns als Scheidungsgrund durchgehen würde ist hier ein Witz nebenbei, der niemanden beleidigen soll. In Pakistan herrschen für Frauen eben andere Schönheitsstandards, eine üppige Figur zu haben ist hier kein optischer Nachteil. Wie so oft darf Vanessa das Haus nicht verlassen, ohne zwei Kilo Äpfel, getrocknete Aprikosen und Walnüsse aus dem eigenen Garten mitzunehmen.


Ölpressen als lange Tradition

Im Hunza Tal wachsen die besten Marillen, Äpfel und Nüsse. Fast jedes Haus hat mehrere dieser Bäume im Garten und jetzt im Herbst ist Erntezeit. Da werden die Marillen auf den flachen Hausdächern zum trocknen aufgelegt und Walnüsse gesammelt. Selbst die Aprikosenkerne werden verarbeitet. Im Frühjahr, wenn die Kerne trocken genug sind, werden sie auf gehämmert und darin befindet sich eine kleine Nuss, die wie eine Mandel aussieht. Diese Kerne sind der perfekte Snack bei Wanderungen oder werden in der lokalen Ölpresserei zu Öl verarbeitet. Wir haben die Wunderwirkung der frischen Walnuss- und Aprikosenöle auch für uns entdeckt, nirgendwo sonst haben wir bis jetzt eine solch gute Ölqualität gefunden. In den Cafes gibt es frische Walnuss- oder Aprikosenkuchen, die wir alle probieren müssen und sehr lecker sind.

Das Ölpressen hat hier eine lange Tradition. Wir besuchen den über 700 Jahre alten Baltit Fort, eine Festung aus der Zeit, als das Hunzatal ein Königreich war. Die Wände wurden aus Marillenholz gebaut und mit Marillenöl bestrichen, was wie ein natürliches Pestizid wirkt und für ein gutes Raumklima sorgt. Eingebettet in den herbstlichen Farben der Marillen- und Walnussbäume sieht es aus, wie aus einem Märchenland.


Yaks, die Bergmonster

Auch von hier aus unternehmen wir einige Wanderungen zu den nahen Gletschern, die sich unweit des Dorfes befinden. Oben beim Ultar Gletscher zum Beispiel steht eine Yakherde, die die karge Landschaft abgrast. Yakbauern sind sehr wohlhabende Menschen. Ein Yak ist um die 1500$ wert. Es wird nahezu alles von Tier verwendet. Das Fleisch wird gegessen so wie in dem berühmten Restaurant „Yak Grill“ zu delikaten Burgern verwandelt. Das Fell wird zur Herstellung von Wolle, Schals und Kleidung verwendet. Sogar der Kopf des Yaks mit den Hörnern dran kann man um eine stolze Summe als Deko erwerben. Alle Yakbauern, die wir treffen, sprechen perfektes Englisch und beantworten unsere Fragen mit Freude. Sie sind stolz auf ihre wertvolle Arbeit.


Geburtstag allein irgendwo im Hindukush

Es ist Ende Oktober und Vanessas Geburtstag feiern wir am Rush Lake auf 4800m. Die Wandersaison ist hier schon vorbei und am zugefrorenen See liegt gut ein Meter Schnee. Wir sind die einzigen Menschen in der Weite des Hindukush Gebirges.


Tschüss Berge!

Nach diesen sehr kalten Tagen in den Bergen mehren sich die Vorhersagen der Einheimischen, dass der Winter nun nicht mehr weit ist. Die nächsten Tage ist Regen und Wind angesagt, also verabschieden wir uns von unserer lieben Nachbarschaft und machen uns am Weg nach unten. Diesmal nehmen wir den Karakorum Highway durch Besham. Es regnet und die Fahrtage gestalten sich als anstrengender als erwartet. Die Straße ist von Schlaglöchern durchzogen und die Gefahr für Hangrutsche steigt mit jedem regnerischen Tag. Je weiter wir in die Region KPK (Khyber Pakhtunkhwa) reinkommen, desto häufiger müssen wir einer Polizeieskorte folgen. Nach einigen Fahrtagen erreichen wir Taxila, unweit von Islamabad. Hier befand sich einst eine der drei großen indischen Universitäten, die jetzt aber nur mehr aus Ruinen besteht. Leider fließt in Pakistan nicht viel Geld in kulturelle Maßnahmen, weswegen wir vom Museum und von den Ruinen eher enttäuscht sind. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich der größte Gurudwara, ein Tempel in der Sikh Religion, von Pakistan. Wir freuen uns darauf, denn die Sikh Religion zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Tempel allen Menschen offenstehen. Doch leider wird dieser Tempel von pakistanischen Levies bewacht und der Eintritt nur Sikhs vorbehalten. Weil wir aber Gäste in ihrem Land sind, führen sie uns ausnahmsweise durch die Tempelanlage.

Danach kehren wir hungrig in einer kleinen Imbissbude ein. Hier waren wahrscheinlich noch nie Touristen und gleich haben wir einheimische Fans am Tisch sitzen. Die Familie ist nicht mit großem Reichtum gesegnet, trotzdem bestehen sie darauf, uns auf das Mittagessen einzuladen. Abwehren ist zwecklos, was uns hier besonders leid tut, weil wir sehen, dass sie wenig haben. Sie sagen, dass sie uns von Tiktok und Instagram kennen, wir sind doch die Barfuß-Wanderer. Von dem spanischen Pärchen haben wir schon gehört, hier in Pakistan sind sie ein viraler Hit und auf jedem Social media feed übermäßig vertreten. Dabei haben die beiden selbst gar kein social media, sondern ihre Anhängerschaft stellt Videos von ihnen ins Netz. Wir sind uns nicht sicher, ob sie verstehen, dass wir nicht dieses berühmte Pärchen sind, halten aber trotzdem für Selfies her.

Ein paar Tage später dürfen wir das in Pakistan so bekannte barfuß wandernde Pärchen kennenlernen. Wir tauschen uns beim Lagerfeuer im Park, wo wir mit ein paar anderen Campern parken, Geschichten aus und philosophieren, wohin uns unsere Wege wohl noch führen werden.


Neuer Lack für unser altes Auto

Als wir in Islamabad ankommen, ist es schon Ende November. Wir wollen hier den Lack an unserem Bus neu machen lassen. Die letzten Monate haben Elke stark zugesetzt und die Roststellen lassen sich durch Heizkörperspray nicht mehr kaschieren. In Rawalpindi finden wir unseren Schweißer des Vertrauens. Safdar und seine zwei Brüder kennen sich mit alten VWs aus und er erledigt alle Rostarbeiten an unserem Bus in nur wenigen Tagen. Eine Schweißbrille verwendet er nicht, die stört ihm bei seiner Arbeit, meint er. Jeden Tag, wenn wir unseren Bus in die sehr enge Einfahrt parken, gibt es erstmal Tee und Frühstück, das seine Frau frisch gekocht hat. Zu Mittag essen wir gemeinsam Essen aus den benachbarten Restaurants und dazwischen werden viele Teepausen gemacht. Nach den Schweißarbeiten sieht unser Bus aus, wie frisch vom Schrottplatz. Wir haben alles abmontiert, keine Kennzeichen, keine Seitenspiegel, die Geschwindigkeitsanzeige hat den Geist aufgegeben. Aber zum Glück interessiert sowas hier niemanden.

In Islamabad finden wir dann eine Straßenwerkstatt, die unseren Van lackiert. Das Team um Billa ist ein Familienunternehmen, alle seine Neffen und Söhne arbeiten für ihn. Die Jungs arbeiten so schnell, dass unser Van schon am zweiten Tag die Grundlackierung draufhat. Billa und seine Familie sind sehr stolz, uns als ihre Kunden zu haben. Sie sind Christen und finden es besonders schön, dass sie endlich mal mit anderen „Christen“ zu tun haben. Wir verheimlichen ihnen bei dem großen Stolz, dass wir eigentlich nicht so religiös sind, was sie nur schwer verstehen würden. Wir sind an einem Abend bei Billas Familie zum Essen eingeladen. Die Familie ist groß und alle wollen uns kennenlernen. Zum Essen gibt es allerlei pakistanische Köstlichkeiten, Reis, Huhn, Salate, Brot und Rindeintopf. Manche der Kinder und Enkel von Billa sprechen gutes Englisch, aber wir verstehen uns auch so prächtig. Nach nur einer Woche ist unser Auto fertig lackiert. Wir sind so zufrieden mit der Arbeit, dass wir ein großes Trinkgeld dalassen. Tatsächlich ist es in Pakistan oft so, dass nach Trinkgeld bei guter Arbeit gefragt wird. Zum Beispiel: Das Lackieren kostet 200€ und wenn du die Arbeit gut findest und wir schnell sind, dann gibt es Trinkgeld. Danach holen wir bei Safdar in Rawalpindi die Teile ab, die außen am Auto drauf waren. Alles wurde schön und beulenfrei gemacht. So schön war unser Bus das letzte Mal vor 40 Jahren.

Elke mit neuem Lack
Elke mit neuem Lack

Abschied nehmen

Wir haben das pakistanische Essen, den überzuckerten Milchtee, die Menschen und die Natur lieben gelernt und wir werden das Leben hier sehr vermissen.

Mitte Dezember ist es dann soweit, dass unser Visum wieder fast ausläuft und wir uns von unseren Freund*innen verabschieden müssen. Wir wissen, dass es auch diesmal, so wie beim letzten Mal kein Abschied für immer ist, sondern dass wir wieder kommen werden.


Durch Beluchistan in den Iran

Mit ein paar Zwischenstopps fahren wir in den Süden von Pakistan und schaffen den ganzen Weg bis nach Quetta ohne Eskorte.

Dort verläuft wieder alles reibungslos und innerhalb von nur zwei Tagen werden wir durch den westlichen Teil von Baluchistan eskortiert. Irgendwo in der sandigen Wüsten- Bergregion von Baluchistan verläuft die Milchtee-Grenze. Das ist der Punkt, an dem der Tee nicht mehr mit Milch, einem dicken Milchfettabsatz und viel Zucker, sondern klar und schwarz mit einem weißen Zuckerstück getrunken wird. Wir dürfen uns schon langsam an die iranische Kultur gewöhnen und uns von der pakistanischen verabschieden.

An der Grenze in Taftan verbringen wir eine letzte Nacht in der Polizeistation, wo wir vor über einem Jahr in das aufregendste Jahr unseres Lebens gestartet sind. Wir sitzen einen gemütlichen Vormittag lang bei Tee und netten Gesprächen mit dem Polizeioffizier, der immer in der Polizeistation ist und dem Levie, der uns im Auto hierherbegleitet hat. Er will uns zum Bleiben überreden und wir schauen mit einem weinenden Auge zurück, doch wir wissen, dass wir nicht zum letzten Mal in Pakistan waren. Inschallah!

Wir überqueren die Grenze von Pakistan in den Iran nahezu genau ein Jahr, nachdem wir vom Iran kommend nach Pakistan gefahren sind. Im letzten Jahr ist viel passiert. Wir haben vier Monate davon in Pakistan verbracht. Vier Monate waren wir in Indien und drei in Nepal. Auch nach Indonesien und Malaysien durften wir einen Ausflug machen.

Wir sind schon gespannt auf unser zweites Mal im Iran, diesmal im Winter.


 

Etappe 15

3300km durch Pakistan

die Route durch Pakistan von Indien kommend
Die Route von Indien in den Iran, 3300km durch Pakistan

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Klettern im Herzen, am Weg nach Indien

Über uns

Wir sind Vanessa und René und nach unserem Studium hat uns die Reiselust gepackt! Immer mit dabei: Kletterseil und Kletterschuhe! Auf unserer Insta-Seite siehst du, dass wir schon bisher jede freie Minute in den Wänden unserer Heimat verbracht haben - jetzt sind die Berge und Wände am Weg nach Nepal an der Reihe. Trage dich in unseren Newsletter ein und begleite uns dabei!

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